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Düxer Klaaf

Jedeechte, Rümcher un Verzällcher us Kölle

 

 

Du Ei

Eine ganz hervorgehobene Stellung im Kölschen nimmt das "ei" ein. Nicht als Geflügelprodukt, sondern als Kombination zweier Vokale (Diphtong). Die große Schwierigkeit ist dabei, dass es nicht auf die Schreibweise (ei oder ai) ankommt, sondern nur auf die Aussprache! Und da sind Nichtkölsche völlig überfordert, weil visuell nicht erkennbar ist, wie es ausgesprochen wird. Nehmen wir das "Ei" - diesmal als Produkt eines Geflügels.

 

Die unvergessenen Hans Süper und Hans Zimmermann (Colonia Duett) haben es uns vorgemacht. Der Spitzname des "Zimmermän" war "Du Ei". Ausgesprochen "Du Ai", wie im Hochdeutschen. Bis dahin kein Problem. Jetzt gibt es im Kölschen aber auch das "ei", bei dem der Anlaut das "e" ist. Wir unterscheiden also "ai" (Anlaut a) und "ei" (Anlaut e). Alles klar? Dabei kommt es nicht darauf an, ob das gesprochene Wort mit "ai" oder mit "ei" geschrieben wird! Noch immer alles klar? Na, dann passen Sie mal auf!

 

Mai (5. Monat des Jahres) heißt auf Kölsch "Mai" (Anlaut a),
Kaiser (Imperator) heißt auf Kölsch völlig respektlos "Keiser" (Anlaut e),
das Zahlwort "eins" heißt auf Kölsch "eine" (Anlaut e),
das Zahlwort "zwei" wird in Kölsch "zwai" (Anlaut a) ausgesprochen,
das Zahlwort "drei" allerdings "drei" (Anlaut e).

 

Spätestens jetzt müssen sie am Verstand der Kölschen zweifeln. Der Kölsche zählt also: eine, zwai, drei! Noch Fragen? An dieser Problematik scheitern ganze Volksstämme. Der echte Linksrheiner hat an dieser Stelle kein Problem, er kann das einfach - solange er Kölsch seit Kindesbeinen spricht. Die restlichen Kölner begnügen sich, wie im Hochdeutschen, mit dem "ai" in allen Lebenslagen. Um aber dem seltsamen Laut "ei" ein Gesicht zu geben, haben sie sich das niedergermanische - von Düsseldorf bis Hamburg gebräuchliche - "ee"  angewöhnt. Da hört man dann anstelle von "dat Klein" eher das "dat Kleen". Daher kommt wohl auch die Verwechslung von "eine" und "ene", das dann wie "eene" ausgesprochen wird. Das richtige "ene" wird nämlich auf beiden "e" kurz und betont gesprochen.

 

Die sprachliche Anlehnung an "ee" (anstelle von "ei") ist für mich völlig unverständlich, ist doch im Englischen auch eine Unterscheidung von "ai" und "ei" bekannt. Und die Deutschen sind doch Weltmeister im Englisch schwätzen....! Beispiele für Wörter, in denen das "ai" gesprochen wird: rider, my, I, license, driver, silence u.s.w. Wörter, in denen ein "ei" gesprochen wird sind beispielsweise mayor, mayday, lady, maybe u.s.w.
 

Das bekommen selbst die Sprachunbegabesten hin, und das soll im Kölschen nicht möglich sein?
 

Ich möchte Sie aber soweit beruhigen, dass es nur sehr wenige Wörter mit "ei" sind, die im Kölschen mit dem Anlaut a gesprochen werden. Die Meisten haben den Anlaut e. Um aber das Maß vollzumachen: Ich höre in letzter Zeit häufiger das Wort "zwei" mit dem Anlaut "e". Das ist die Kapitulation der Hilflosen auf der ganzen Linie!
 

Anna, ming Droppe!!
 

P.S.
 

Gerade zu Ostern wird ja immer mal wieder gerne über das "Ei" (als Tierprodukt) gesprochen. So geschehen auch in der "Aktuellen Stunde" des WDR-Fernsehens am Mittwoch oder Donnerstag vor Ostern 2012. Die sonst von mir so geschätzte Simone Standl sprach in diesem Zusammenhang auch über Süper und Zimmermann und posaunte "Du Ei" lauthals mit dem Anlaut "e" in die Welt! Ich bin zur Salzsäule erstarrt!
 

Nun wissen wir, dass die Dame aus Süddeutschland stammt. Da mag man ihr den Lapsus verzeihen. Aber wenn sie sich schon in die kölsche Sprache verirrt, dann bitte vorher schlau machen. Bitte, bitte!
 

Viel furchtbarer ist da die Rundfunk-Werbung für die Köln-Arkaden in Kalk. Was da an kölscher Aussprache verbrochen wird, ist so abenteuerlich, dass ich froh wäre, man würde diese Sprache verbieten!
 

© Alexander Stock