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Düxer Klaaf

Jedeechte, Rümcher un Verzällcher us Kölle

 

 

Die Sache mit dem „g“

Die Kölschen kennen kein „g“, die sprechen immer „j“!

Solche Behauptungen hört man oft und nur der Kölsche weiß, dass das blanker Unsinn ist. Natürlich kennt der Kölsche das „g“ – und was für eines. Das werden wir noch sehen.

Stellt sich die Frage, woher die oben aufgestellte Behauptung kommt. Nun, wer einen Kölner sprechen hört, muss diesen Eindruck bekommen, spricht er doch von „juten Jaben“ (Gute Gaben). Leider ist das kein Kölsch, aber es zeigt, wie der Kölsche mit dem Anlaut-G umgeht. Steht das „g“ am Wortanfang, können sie Haus und Hof darauf verwetten, dass man ein herrliches „j“ hört. So weiß man, dass es um die Weihnachtszeit in Köln immer „en jot jebrode Jans jitt“ (eine gut gebratene Gans gibt). So viele „g“ und keines davon hört man! Stimmt die Behauptung also doch?

Nach dem Anlaut-G gibt es noch das Inlaut-G, also das „g“ im Wort. Hier schon fängt es an, schwierig zu werden. Bei „jode Morje“ (guten Morgen) ist es noch einfach: 2x „j“. Auch das „fliegen“ (Verb) ist kein Problem: der Kölsche „ess am fleeje“.

Ganz anders ist es bei den Wörtern „Magen“, „sagen“ oder „jagen“. Kölsch „Mare“, „sare“ oder“ jare“ ausgesprochen! Kluge Leute sagen, dass hier das „g“ als „Zäpfchen-R“ gesprochen wird. Na, wenn’s schön macht…

Eine ganz andere Klangfarbe kommt ins Spiel, wenn das „g“ am Wortende steht. Hier kennt der Kölsche 2 grundverschiedene Laute: den „Ach“-Laut (Rachenlaut) und den „Ich“-Laut. Beides sind „ch“-Laute, werden jeweils nur anders ausgesprochen. Bestes Beispiel für den „Ach“-Laut ist das kölsche Wort für „Auge“. Es heißt „Auch“, mit einem sehr schönen „ch“ am Wortende. Das „g“ als „Ich-Laut“ finden Sie in „Fliege“ (Substantiv), kölsch: „Fleech“. Hier hört man keinen Rachenlaut, sondern das kölsche „ch“, welches zum „sch“ tendiert.

Ja, und wann spricht der Kölsche denn mal das „g“ als „g“? Meistens dann, wenn keines da ist. Huch? Der Kölsch spricht ein astreines, wundervoll artikuliertes „g“ in Wörtern, die im Hochdeutschen kein „g“ haben!!! Glauben Sie nicht? Dann hören sie mal, wie der Kölsche „reiten, streiten, leiden“ auf Kölsch spricht. Da hören und staunen Sie über „rigge, strigge, ligge“. Wenn das kein „g“ ist, dann kann es niemand aussprechen!

Also, der Kölsche kennt wohl den Buchstaben „g“, er behält sich nur vor, in auf fünf verschiedene Weisen auszusprechen:

Als „j“, als „r“, als Rachenlaut „ch“, als „ch“ (sch) und als astreines „g“.

Kein Wunder, dass Kölsch die einzige Sprache der Welt ist, die man auch trinken kann. Wahrscheinlich wäre es für Fremde sonst nicht auszuhalten….

© Alexander Stock