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Düxer Klaaf

Jedeechte, Rümcher un Verzällcher us Kölle

 

 

Die kölschen Artikel

Die Kölner erlauben sich noch den Luxus von 6 bestimmten Artikeln. Ja, sie haben richtig gelesen. Der Kölner kennt 6 bestimmte Artikel. Der Hochdeutsche kennt davon drei, die romanischen Sprachen unterscheiden in männlich und weiblich. Auch im Niederländischen kennt man ledigleich 2 Artikel, die englische Sprache dagegen begnügt sich mit nur einem Artikel. Da kommt ein Nichtkölner bei 6 Artikeln ganz schön ins Straucheln, aber auch dem Kölner geht es oft ähnlich.

Fragt mein einen Kölner nach den kölschen Artikeln, so kommt, wie aus der Pistole geschossen: dä, die dat. Das sind die drei, die er auch aus dem Hochdeutschen kennt: der, die das. Dass das aber nur die halbe Wahrheit ist, weiß der „Muttersprachler“. Im Kölschen unterscheidet man noch zwischen „normal“ und „ganz bestimmt“.

Die „normal“ bestimmten Artikel sind: der, de, et. Beispiele: der Kääl (der Mann), de Moder (die Mutter), et Auto (das Auto).

Die „ganz bestimmten“ bestimmten Artikel lauten: dä, die, dat. Beispiele: dä Kääl (dieser Mann), die Frau (diese Frau), dat Dingen (dieses Ding).

Klar, dass man bei der Auswahl leicht überfordert ist. Dann gibt es noch die Substantive, die im Kölschen einen anderen Artikel als im Hochdeutschen brauchen. Beispielsweise heißt der Affe auf Kölsch „de Aap“, der Floh ist „de Fluh“, das Fenster ist „de Finster“ (aber auch „et Finster“), die Brille wird zu „der Brell“ und der Leib wird mit "et Liev" bezeichnet. Hier hört man aber immer öfter "der Liev".

Alles für einen Imi (Zugereisten) zu schwer. Deshalb beobachte ich seit langem, dass die „normal“ bestimmten Artikel mehr und mehr verschwinden. Daneben wird „de“ als Allerweltsartikel für alles immer verbreiteter. Das kommt wahrscheinlich aus der für "normal Sterbliche" übergroßen Schwierigkeit, mit 6 Artikeln umzugehen oder aus der Erkenntnis, dass im Englischen auch nur ein Artikel (the) alles bezeichnet. So hört und liest man neuerdings immer öfter „de Zoch kütt“ (der [Rosenmontags-] Zug kommt) oder "Mer losse de Dom in Kölle" und ähnlichen unbeschreiblichen Blödsinn. Da scheint es eine Entwicklung zu geben, die wir kaum aufhalten können. Oder?

Ähnlich ist es mit der Verwendung der unbestimmten Artikel im Kölschen. Man kennt im Hochdeutschen ein, eine, ein. Der normale Kölsche hat die Auswahl zwischen ene (ne), en und e. Auch die Anwendung dieser Wörtchen stößt durchaus auf Schwierigkeiten. Dabei ist es einfach:

Ein Mann - ene Kääl, ne Kääl
Eine Frau - en Frau
Ein Kind - e Kind

Dass es wohl doch nicht so einfach ist, wie ich gerne glauben machen will, zeigt das Beispiel, das vielerorts zu lesen ist: „Drink doch ene met“ (Trink doch einen mit). Richtig: Drink doch eine met. Hier verwechselt man den unbestimmte Artikel „ene“ mit dem Zahlwort „eins“ oder „einen“. Die Bläck Fööss jedenfalls haben den Titel richtig geschrieben.

© Alexander Stock